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Vertrauen und Misstrauen in der Existenzgründungsberatung
Vertrauen nimmt eine zentrale Stellung im Umgang mit Menschen untereinander ein. Besonders deutlich wird dies, wenn es darum geht, Existenzgründern bei einer so weitreichenden Entscheidung wie der Gründung einer Unternehmung mit allen seinen Konsequenzen zu unterstützen.
Wir von der ideenbörse werden mit diesem Phänomen täglich konfrontiert, dass Gründer sowohl vertrauensvoll aber auch mit aller Vorsicht und Skepsis auf uns und unsere umfassende und kostenlose Beratungsleistung zugehen. Schließlich geht es darum, uns die Idee anzuvertrauen, an der sie seit vielen Jahren arbeiten und in die nur wenige Personen eingeweiht sind.
Deshalb ist es uns ein Anliegen, auf das Spannungsfeld zwischen Vertrauen und Misstrauen näher einzugehen.
Vertrauen ist im privaten Bereich ein Begriff, der allgemein verständlich erscheint. Aber Vertrauen rückt immer mehr im geschäftlichen Kontext in den Vordergrund.
In der Psychologie attestiert man dem Vertrauen eine zentrale Voraussetzung für das Handeln, d.h., wer an seiner eigenen Kompetenz oder an der grundsätzlichen Vertrauenswürdigkeit der anderen zweifelt, ist in seinem Handlungsvermögen gelähmt. Und damit wird die paradoxe Struktur deutlich: Vertrauen ist notwendig und gefährlich zugleich – und für Misstrauen gilt dasselbe.
Im Arbeitsalltag ist größtmögliches Misstrauen aber keine Arbeitsgrundlage, denn es kostet Chancen und Zeit.
Vertrauen ist also umgekehrt eine wesentliche Arbeitsgrundlage. Das gilt insbesondere, wenn man einen Partner sucht, der über einen längeren Zeitraum bei der Realisierung und Sicherung der eigenen Existenz helfen soll, mit dem alle Probleme besprochen werden müssen und den man vor allem als neutralen, kompetenten Berater und Kritiker akzeptiert.
Betrachten wir das Vertrauen systematisch.
Nach Luhmann ist Vertrauen eine riskante Vorleistung. Derjenige, der Vertrauen gewährt, geht ein Risiko ein und der Nutznießer dieser Vorleistung befindet sich in einer privilegierten Situation – er kann es missbrauchen.
Der Spieltheoretiker Kliemt weist sogar darauf hin, dass die zweite Person, würde sie stets logisch handeln, mehr Vorteile hätte, wenn sie das Vertrauen nie rechtfertigen und stets die Vorleistungen einstreichen und die Gegenleistung sich sparen würde.
In aller Regel agieren wir aber in Handlungskontexten, in denen wir uns nicht einfach davon machen können – und das Gute ist, es ist uns bewusst.
Das Vertrauensproblem ist also nicht auf einer Zeitachse anzusiedeln, sondern in einer Kreisbewegung. Wer anderen vertrauensvoll begegnet, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit auch Vertrauensbeweise ernten. Vertrauen weckt Vertrauen.
Aber woher das Vertrauen nehmen? Der Mensch scheint mit einem so weitreichenden Misstrauen ausgestattet zu sein, dass er nicht mehr übergangslos in Situationen, die er nicht einschätzen kann, unbegrenztes Vertrauen gewährt. Deshalb wurde hier von der ideenbörse die Idee der vertrauensbildenden Maßnahmen kultiviert, d.h., es soll schrittweise ein Vertrauenszustand gestaltet werden.
Daher haben bei uns Begrifflichkeiten wie Kompetenz, Transparenz der Vorgehensweise, Einbindung in Prozesse und Neutralität eine zentrale Bedeutung bei der Beratung von Existenzgründern.
